FRIEDRICH WILHELM III. * 3. August 1770 in Potsdam; † 7. Juni 1840 in Berlin. Er war seit 1797 König in Preußen und als Landesherr summus episcopus (oberster Bischof) der evangelischen (lutherischen und reformierten) Kirchen seines Landes. Insbesondere war er an Fragen der Gestaltung des Gottesdienstes persönlich höchst interessiert – und wird daher auch als „Liturgiker auf dem Thron“ bezeichnet. Im September 1817 reiste er durch die Grafschaft Mark und wurde in Hagen vom lutherischen Generalsuperintendenten der Grafschaft Mark, Pfarrer Franz Bädeker, über die in den Tagen vom 16. bis zum 18. September 1817 bevorstehende, gemeinsame Feier des 300jährigen Reformationsjubiläums durch die Lutherische und die Reformierte Märkische Provinzialsynode informiert. Nach Potsdam zurückgekehrt, veranlasste Friedrich Wilhelm III. die Ausarbeitung eines Aufrufes zu einer freiwilligen, in Inhalt und konkreter Gestalt aber nicht näher konturierten Vereinigung der lutherischen und reformierten Kirche in Preußen. Dieser Aufruf sollte noch kurzfristig zu dem in den Tagen vom 31. Oktober bis zum 2. November 1817 landesweit groß gefeierten 300jährigen Reformationsjubiläums ergehen. Der aus Hamm stammende Hofprediger Rulemann Friedrich Eylert formulierte diesen Aufruf, Friedrich Wilhelm III. unterzeichnete ihn (mit nur geringfügigen Korrekturen) am 27. September 1817. – In den weiteren Jahren der Regierung Friedrich Wilhelms III. entwickelten sich heftige Auseinandersetzungen über die von Friedrich Wilhelm III. einheitlich für alle evangelischen Gemeinden entworfene Form des sonntäglichen Hauptgottesdienstes (der „Agendenstreit“ seit 1822), über die Frage des angemessenen theologischen Verständnisses und der praktischen Umsetzung der lutherisch-reformierten Vereinigung und über die Frage, nach welchen Prinzipien die Leitung der evangelischen Landeskirche in Zukunft erfolgen solle.

RULEMANN FRIEDRICH EYLERT * 5. April 1770 in Hamm; † 3. Februar 1852 in Potsdam. Eylert war von 1794 bis 1806 Pfarrer der reformierten Kirchengemeinde in Hamm (Westfalen) und dann bis zu seiner Pensionierung 1844 Hofprediger in Potsdam mit nicht unerheblichem Einfluss auf König Friedrich Wilhelm III. In dessen Auftrag entwarf er einen Aufruf des Königs zu einer freiwilligen, in Inhalt und Gestalt aber nicht näher konturierten Vereinigung der lutherischen und reformierten Kirche in Preußen aus Anlass des 300jährigen Reformationsjubiläums 1817, den der König mit nur geringfügigen Änderungen am 27. September 1817 unterzeichnete. Die heute klar erkennbaren theologischen Defizite dieses Unionsaufrufes sind nicht zuletzt Eylerts Strategie zuzuschreiben, mit einem in der damaligen evangelisch-kirchlichen Öffentlichkeit möglichst keinerlei Anstoß erregenden Text für die lutherisch-reformierte Vereinigung werbend einzutreten. Momentan wurde dieses Ziel 1817 erreicht; der Unionsaufruf erfuhr zunächst große, begeisterte Zustimmung. Die innewohnenden Probleme und Defizite sollten die Debatte über das mit dem königlichen Aufruf nur unscharf konturierte Verständnis der Union schon sehr bald bis weit ins 20. Jahrhundert hinein prägen.

WILHELM BÄUMER * 17. November 1783 in Halver; † 13. Mai 1848 in Arnsberg. Wilhelm Bäumer war als Pfarrer zunächst in den reformierten Kirchengemeinden in Fröndenberg (seit 1808) und dann (seit 1813) in Bodelschwingh (bei Dortmund) tätig; von 1832 an wirkte er als Konsistorialrat beim Regierungspräsidium in Arnsberg. Er ist als der „geistige Kopf“ der nicht nachlassenden Bemühungen zu sehen, die in der reformierten wie der lutherischen Kirche in der Grafschaft Mark seit dem 17. Jahrhundert rechtlich verankerte, weitgehend eigenständige kirchliche Leitung zu bewahren und im kirchlichen Alltag durch ein regelmäßiges, verlässlich geordnetes Zusammentreten von Presbyterien und Synoden auf Kreis- und Provinzialebene auch zu realisieren. Bäumer gehörte 1817 zu den Architekten des Zusammenschlusses der Lutherischen und der Reformierten Provinzialsynode der Grafschaft Mark zu Märkischen Gesamtsynode, die er dann von 1821 bis 1824 sowie nochmals von 1829 bis 1831 als Präses geleitet hat. Den liturgischen Bestrebungen Friedrich Wilhelms III. ist er nicht zuletzt deshalb entschieden entgegengetreten, weil diese einen Eingriff in das bisher den Synoden zustehende Recht zur Bestimmung der gottesdienstlichen Ordnung darstellten.

FRANZ BÄDEKER * 11. August 1752 in Dortmund; † 1. August 1825 in Dahl (bei Hagen). Franz Bädeker war zunächst Pfarrer in Eichlinghofen (seit 1779), sodann (ab 1781/1783 bis zu seinem Tod) in Dahl. Von 1800 an hat er nebenamtlich das Amt des Generalinspektors der Lutherischen Märkischen Provinzialsynode wahrgenommen; der Titel „Generalsuperintendent“ wurde ihm 1806 verliehen. Wie Wilhelm Bäumer für die Reformierte, so ist Franz Bädeker für die Lutherische Provinzialsynode der Grafschaft Mark als die prägende, die Vereinigung dieser Synoden zur Märkischen Gesamtsynode vorbereitende Persönlichkeit anzusehen – und ebenso als ein Förderer der presbyterial-synodal eigenständig wahrgenommenen Leitung des evangelischen Kirchenwesens. Für Bädekers Wirken charakteristisch ist zudem ein ausgeprägtes Interesse an der regionalen Kirchengeschichte der Gemeinden in der Grafschaft Mark und eine besondere fachliche Expertise in der Obstbaumzucht.